Goeast
Home   Rumänien   Rund um Bukarest   Ausflüge   Stichworte   News   Links   Gästebuch   Hinweis


Erste Begegnung Leben und Arbeiten Wohnung Stadtrundgang Der Palast Wintereinbruch Laufen im Herastrau

(April 2005)

  Laufen im Herastrau

Ein Jahr Bukarest sollten natürlich keine Rechtfertigung dafür sein, zur Couch-Potatoe zu werden und die leidlich vorhandene Kondition wieder komplett zu verlieren. So war eines meiner Kriterien bei der Wohnungssuche, dass diese in annehmbarer Entfernung von einem lauftauglichen Gebiet liegen sollte. Sich nur durch hässliche graue Wohnblock-Siedlungen und dicke Abgaswolken zu kämpfen, kam gar nicht erst in Frage. Auch der Fluss oder besser Kanal (oder noch passender: im Sommer stinkige Kloake), der durchs Stadt-Zentrum fliesst, bietet keine einladende Laufstrecke an -- alles zubetoniert und nebendran verlaufen Hauptverkehrsstrassen.

Im Norden der Stadt gibt es da schon viel angenehmere Grünanlagen und Laufmöglichkeiten. An unserem ersten Tag in der neuen Wohnung stellte ich nach einem Blick auf die Karte mit Freude fest, dass es einen kleinen Park am Ende unserer Strasse gibt. Um diesen mal unter die Lupe zu nehmen, nutzte ich einen Spaziergang (Laufen wollte ich noch nicht -- man weiss ja nie, wieviele Hunde oder komische Leute dort unterwegs sind ;-) ). Der Park ist hübsch hergerichtet und mit vielen netten Familien bevölkert. Hunde in Begleitung von Menschen dürfen hier gar nicht erst rein, wie mir zahlreiche Hinweis-Schilder schon vor dem Betreten des Parks erklären. Für Strassenhunde gilt das wahrscheinlich nicht -- ausserdem können die die Schilder eh nicht lesen, denn diese sind auf Menschen-Augenhöhe angebracht. ;) So nett der Park auch ist, er ist allenfalls für ein Sprint-Training zu gebrauchen, ansonsten viel zu klein.

Zum Glück gibts noch eine Alternative -- in Form der Herastrau Park-Anlagen. Diese sind auch nur 500m entfernt von unserer Wohnung. Ein Sonntags-Spaziergang wird zum inspizieren des Parks benutzt. Fazit: sehr hübsch und bestens zum Laufen geeignet, wenn man mal von den fast ausschliesslich betonierten Wegen absieht. (Meine von deutschen Park- und Waldwegen verwöhnten Gelenke müssen sich halt umgewöhnen! Früher in den USA ging es ja auch.) Es gibt einen See, dessen Umrundung knapp 6km benötigt und interessanterweise auf der Hälfte der Strecke das Entlanglaufen auf einer fussweglosen Eisenbahn-Brücke erfordert (sind zum Glück nur 100m und wird auch nur lästig und eng, falls gerade ein Zug kommt). Auch abgesehen von dem See-Rundweg gibt es noch sehr viele mögliche Lauf-Routen kreuz und quer durch den riesigen Park. Noch dazu halten die vielen Bäume die miefige Dacia-Abgas-Luft und den ganzen Staub gut ab. Perfekt!

LäuferInnen sind hier in Rumänien eine noch nicht sehr weit verbreitete Spezies. Dementsprechend fallen auch die Reaktionen von Spaziergängern und Bauarbeitern aus, auf die man unterwegs trifft: von ungläubigen, mitleidigen Blicken bis hin zu komischen Bemerkungen (die man in Deutschland vermutlich schon seit 10 Jahren als Läufer nicht mehr zu hören bekommt), ist alles dabei. In letzter Zeit bin ich auch sehr häufig allein laufend unterwegs und es ist mir schon mehrmals passiert, dass mich auf der Strasse zwischen Wohnung und Park irgendwelche Typen angehupt und merkwürdige Gesten gemacht haben. :-|

Es scheint, die Fitness-Welle ist noch nicht nach Rumänien übergeschwappt. Das machte sich auch bemerkbar, als ich ein weiteres paar Laufschuhe und ein paar Funktionsklamotten kaufen wollte. Ich habe die ganze Stadt abgegrast. Es gab genug Sport-Geschäfte, a la adidas, nike, reebok und sogar einen Intersport. Allerdings haben die ausnahmslos nur irgendwelche modischen Treter und Fussball-Trikots, die hier gerade angesagt sind, verkauft. Nichts was wirklich zum Sport machen tauglich wäre. Meine neuen Lauf-Klamotten gab es dann halt erst bei meinem nächsten Deutschland-Trip.

Inzwischen haben wir sehr viel Erfahrungen gemacht, was die optimale Zeit zum Laufen angeht. Im Winter, wenn es richtig kalt oder regnerisch ist, hat man den Park zu jeder beliebigen Zeit fast für sich. Besonders wenn es Schnee und Eis gibt (der hier nicht wirklich weggeräumt oder wenigstens gestreut wird), kann man ganz allein und in aller Stille vor sich hin schlittern. Sobald das Wetter aber gut ist, stürmen die Leute am Abend und noch viel stärker am Wochenende in Scharen in den Park. Laufen ist zu dieser Zeit fast nicht möglich bzw. ein sehr frustrierendes Gemisch aus stop-and-go und Slalom. Besonders der schmale Weg um den See, ist nicht für soviele Leute gemacht.

Optimale Zeit fürs Laufen ist früh morgens. Startet man zwischen 6.00 und 7.00, kann man mehr oder minder ungestört vor sich hinlaufen. Neben jeder Menge Eichhörnchen, die durch die Gegend flitzen und die Bäume hochklettern, kann man auf fünf Arten von Lebewesen treffen:

1. Strassenhunde. Der Park beherbergt eine beachtliche Zahl von wilden Hunden. Besonders am Anfang hat mir das sehr viel Anlass zur Sorge und einige Adrenalin-Schübe gegeben. Meine ersten Läufe habe ich auch nie allein machen wollen, nur in Begleitung von Christoph und einem Pfefferspray habe ich mich halbwegs sicher gefühlt. Nach einem Jahr ohne grössere "Zusammenstösse" mit Strassenhunden habe ich kein Problem mehr damit. Die meisten Hunde sind sehr lieb und gehen einem ohnehin gleich aus dem Weg, weil sie froh sind, wenn man ihnen nichts tut. Sollte wirklich einer mal zu nah kommen, kann man ihn recht leicht wieder wegscheuchen.

2. Hunde mit Besitzer. Von diesen sieht man nur sehr wenig hier. Manche sind wohlerzogen oder angeleint und die anderen können schon mal ein wenig stören. ("Der will doch nur spielen."; "Der tut nix, wenn sie sich nicht bewegen.")

3. Wachhunde. Um den See herum sind unzählige Restaurants und grössere Boote verteilt. Einige haben ihre eigenen Wachhunde, die nicht immer angeleint oder eingezäunt sind. Läuft man an ihnen vorbei kann man sich schon mal ein wütendes Bellen anhören. Einer hat mich auch schon mal ein Stück bellend verfolgt, aber im allgemeinen bleiben sie lieber auf ihrem Gelände.

4. Einige wenige Läufer. Auch wenn, wie schon erwähnt, das Laufen hier noch kein Volkssport ist, trifft man zumindest hin- und wieder mal auf andere Läufer. (Im Winter eher nicht.) Die meisten sind dabei wohl Ausländer -- man wird meist schon mit einem "good morning" gegrüsst. Ein paar ganz wenige Rumänen trifft man aber auch. Meistens erkennbar an den viel zu warmen Klamotten, die mir schon beim blossen Anblick den Schweiss auf die Stirn treiben lassen.

5. Bauarbeiter, Parkwächter und Strassenreinigungs-Kolonnen. Besonders jetzt im Frühling wird an allen Ecken und Enden gewerkelt. So trifft man auf jede Menge mehr oder weniger fleissiger Bauarbeiter. Gewöhnlich habe ich auf der ersten Runde noch meine Ruhe, aber dann auf der nächsten, wenn die Arbeit so langsam beginnt, gibt es immer so allerhand nette Kommentare -- wie gut das ich noch nicht alles auf Rumänisch verstehe.

Das Laufen in Herastrau ist bisher noch nie langweilig geworden. Die verschiedenen Jahreszeiten geben der Umgebung immer wieder ein anderes Aussehen. Der Sonnenaufgang, der sich im See spiegelt oder der Nebel im Winter, der den Eindruck vermittelt, man läuft am Meer entlang, sind einfach immer wieder schön zum Anschauen.