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(Mai 2004)

Der lange Weg nach Bukarest... (3)

Da wir nicht so genau wissen was uns an der rumänischen Grenze erwarten wird, wollen wir diese lieber nicht mehr am späten Abend übertreten. Daher machen wir noch einen Zwischenstopp in Szegedin, der letzten grossen Stadt vor der rumänischen Grenze. Szedgedin ist ein wirklich nettes Städtchen (zugegeben "Städtchen" ist vielleicht nicht der richtige Begriff für die immerhin viertgrösste Stadt Ungarns). Für alle die schon mal Szedgediner Gulasch gegessen haben, sollte zumindest der Name ein Begriff sein.

Wir hatten leider nicht allzuviel Zeit zum Sightseeing, aber um ein paar schöne Eindrücke zu sammeln hat es gereicht.
Szegedin liegt an der Mündung des Flusses Marosch in die Theiss (ungarisch: Tisza).
Bild -- Szegedin
Bild -- Budapest Wie man hier sehen kann, haben wir auch dem Dom einen kleinen Besuch abgestattet.

Was wir von der Stadt gesehen haben, hat uns sehr gut gefallen. Im Zentrum gibt es sehr viele hübsche Gebäude, deren Fassaden uns in einem makellosen Zustand anstrahlen.

Am nächsten Morgen gehts dann aber endlich nach Rumänien. Wir sind recht pünktlich an der Grenze und die Warteschlange sieht nicht so lang aus. Ganze fünfzehn Autos zähle ich vor uns. Die Nervosität nimmt trotzdem schon mal ein wenig zu. Eigentlich haben wir keinen Grund dazu; wir haben ja nichts zu verbergen. Allerdings wer weiss schon was passiert? Auch wenn wir praktisch für alles gerüstet sind und jeden erdenkbaren Nachweis haben (Pässe, Briefe unseres Arbeitgebers, Papiere über den Dienstwagen, Versicherungen, Infos über das neue Büro in Bukarest, Liste mit allem was wir mitbringen und was weiss ich noch alles...), vielleicht fehlt doch noch irgendein wichtiges Papier? Viele Infos haben wir ja im Vorfeld dazu nicht gefunden...

Es scheint, die Grenzer machen Kaffeepause... zumindest geht es kaum voran... so stehen wir auch schon eine Stunde rum, als endlich das Fahrzeug vor uns an die Reihe kommt. Er wird nach einer Weile dann zur Seite genommen und muss den Kofferraum vorzeigen und auspacken. Puh, daran hab ich gar nicht gedacht... ich sehe schon vor meinem inneren Auge, wie ich das mühsam eingepackte Zeug nach der Inspektion wieder mit viel Gewalt in die Taschen zurück stopfen muss...

Für viel mehr solcher Fantasien blieb zum Glück keine Zeit, denn wir waren an der Reihe. Der Grenzbeamte fragt uns in einem nicht ganz akzentfreien Deutsch, wo wir denn hinwollen, warf einen Blick in unsere Pässe, stempelte sie und wünschte uns eine gute Fahrt... Das war jetzt alles?? Dafür haben wir schon Wochen vorher Papiere, Briefe und Nachweise besorgt? Hm... die leichte Enttäuschung schlug schnell in Erleichterung um. Wir habens schon mal bis Rumänien geschafft!

Nicht mal vier Kilometer hinter der Grenze merkt man auch sofort die ersten Unterschiede zu den bisher durchfahrenen Ländern. Wo gerade auf ungarischer Seite der Grenze noch Traktoren auf den Feldern herumfuhren und die Strassen Autobahn-Qualität hatten, gab es hier in Rumänien bestenfalls Ochsen-Gespanne auf dem Acker und eine Menge Pferdekutschen auf den Strassen.
Die Strassen waren anfangs auch ganz ok. Wir hatten viel schlimmeres erwartet. Allerdings an einigen Stellen waren die riesigen Schlaglöcher schon ein wenig störend. Die Strassen waren auch nicht sonderlich breit, was aber viele Autofahrer nicht vom überholen an unübersichtlichen Stellen abhielt. Da gabs schon einige riskante Aktionen zu sehen. Autobahnen gibts im Westen Rumäniens leider keine und zu allem Überfluss kennt das Land auch keine Umgehungsstrasse. D.h. man muss wirklich jedes kleine Dorf durchqueren was am Wegesrand liegt.
Bild -- Rumaenien
Bild -- Rumaenien Am Anfang war es aber doch auch sehr interessant, sich die kleine Orte anzuschauen. Auffallend ist, dass der ganze Ort langgestreckt an der Hauptstrasse entlang gebaut ist. D.h. es gibt meistens nur rechts und links an der Strasse jeweils eine Häuser-Reihe, die ewig lang ist. Scheinbar scheinen die Orte nur an der Strasse entlang zu wachsen und nicht in die Breite. Verwunderlich, da es doch sicher viel angenehmer wäre nicht direkt an der Hauptverkehrsstrasse zu wohnen -- besonders jetzt, wo doch der Verkehr immer mehr zunimmt.
Die Häuser und Grundstücke sind alle mit hohen Zäunen und Mauern umgeben, so dass man nicht so einfach hinein schauen kann.
Vor fast jedem Grundstück scheinen Holzbänke zu stehen, die auch häufig von vor allem älteren Frauen bevölkert sind. Viele stehen auch direkt an der Strassen und verkaufen Eier, Milch oder Obst. Wobei es uns ein Rätsel bleibt, wer Eier oder Milch kaufen mag, die schon den ganzen Tag ohne Kühlung in der Sonne steht.
Man sieht viele freilaufende Hunde an den Strassen, auch Ziegen, Schafe, Gänse und von Frauen durch die Gegend geführte Ochsen. Es scheint nur ganz kleine Lebensmittel-Läden zu geben, aber von grösseren Supermärkten oder gar anderen Geschäften fehlt jede Spur.
Bild -- Rumaenien
Bild -- Rumaenien Ein kleines Dorf reiht sich an das nächste; unterbrochen jeweils nur von ein paar Kilometern Strassen, die durch die Felder führen. Auf diesen sieht man viele Leute, die per Handarbeit und einige (wohl die besser situierten?) auch mit Hilfe von Ochsen-Gespannen die Felder bewirtschaften.

Irgendwann am Nachmittag erblicken wir nun zum ersten Mal in ganz weiter Ferne die Karpaten. Wie schön!

Am Abend erreichen wir dann endlich eine der beiden vorhandenen rumänischen Autobahnen. Das hilft beim zügigen Vorwärtskommen doch ungemeint. Viel los ist nicht auf der Autobahn und Raststätten scheint es auch nicht zu geben; dafür aber einige Rumänen, die mitten auf der Strasse mal eben eine Rast einlegen oder andere, die in der Mitte spazierengehen. Mir scheint die Rumänen haben das Konzept "Autobahn" noch nicht begriffen, aber wer will es ihnen verübeln, wenn es im Ganzen Land nur 200km Autobahn gibt.

Die nächsten 120km bis Bukarest laufen fast wie von allein. Um 21.00Uhr haben wir es dann endlich geschafft, wir sind angekommen!! Glücklich, dass wir heile, ohne Pannen, Schwierigkeiten oder Polizeikontrollen die Stadt erreicht haben, packen wir unser ganzes - zum Glück auch nicht gestohlenes - Hab und Gut aus dem Auto aus und tragen es in unsere Wohnung. Geschafft -- nun kann das Jahr in Bukarest beginnen!!